Orakel von Delphi

Delphi, das Zentrum der Welt

In der Sage heißt es, Zeus habe eines Tages zwei Adler aufsteigen lassen, den einen im Osten, den anderen im Westen. An der Stelle, wo sie sich trafen, ließen sie den Heiligen Stein zu Erde fallen, der fortan das Zentrum der Welt bezeichnete - den "Omphalos", den Nabel der Welt. Und an eben dieser Stelle hat sich dann eine der bedeutendsten Orakelstätten des Altertums entwickelt,

das Orakel von Delphi

Hier wurde schon im 2. Jahrtausend vor Christus, in mykenischer Zeit, die Erdgöttin Gaia verehrt, die aus einer Grotte Orakelsprüche erteilte und von ihrem Sohn, dem Drachen Python bewacht wurde. Nach ihm hieß das Gebiet ursprünglich Pytho. Der Lichtgott Apoll erlegt in zartem Alter den erdgeborenen Python und verlässt darauf Delphi, um sich zu läutern. Nach der Läuterung kehrt er bekränzt zurück, in das Heiligtum, das nunmehr ihm gehört. Der Bereich wird von Pytho in Delphi umbenannt und Apoll selbst erhält den Beinamen Pythios.

Die Kulthandlung des Orakelspruches

Jeder, der sich ratsuchend an das Orakel wenden wollte, musste zunächst einen Zoll (telono) entrichten, der ihn berechtigte, sich dem Tempel Apollos zu nähern, um dort seine Opfergabe niederzulegen (Ziegen, Eber, Stiere). Die Pythia beugte sich nach einer kultischen Reinigung durch das Wasser des Kastalischen Quells über den Erdspalt mit dem "Nabel der Welt" (dem Heiligen Stein) und geriet durch das Einatmen der aufsteigenden berauschenden Dünste und das Kauen von Lorbeerblättern in einen tranceähnlichen Zustand. Ihre dunklen Antworten auf die Fragen der Ratsuchenden wurden von den Priestern in Zweizeiler gefasst, für deren Deutung die Exegeten zuständig waren.

Die Tempeldienerinnen (Pythien):

Sie wurden ursprünglich unter den jungen Mädchen Delphis ausgesucht. Später beschränkten sich die Priester bei der Wahl auf Frauen über Fünfzig, um sich ihrer Tugend sicher zu sein.